LensEU #10: Wie sich Putins Propaganda heute in Europa verbreitet

Shownotes

Dies Folge wurde von TVNet in Lettland produziert, Host ist Artūrs Guds. Darin untersuchen wir, wie sich Kreml-nahe Narrative nach den Einschränkungen für russische Staatsmedien verändert haben haben. Sie kommen heute über soziale Medien, Messenger-Dienste und lokale politische Debatten. Anhand von Fallbeispielen aus Lettland und Polen zeigen Experten, wie ausländische Informationsmanipulation sprachliche Gräben, historische Spannungen und öffentliche Ängste ausnutzt und was Europa tun kann, um seine demokratische Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Was ist lensEU? Sieben Medienpartner aus der Europäischen Union produzieren ab sofort jede Woche einen Podcast und einen Newsletter in fünf Sprachen.

Die Partnermedien sind: LensEU wird von OKO.press aus Polen koordiniert. Weitere Partner sind Die Presse aus Österreich, CORRECTIV aus Deutschland, Telegram.hr aus Kroatien und TVNET aus Lettland. Unterstützt wird das Projekt von der internationalen Nachrichtenagentur AFP aus Frankreich, ENEX aus Luxemburg und Mainspring aus Österreich.

KI-Hinweis: Die Podcastfolgen in der Originalsprache werden mit dem Übersetzungstool Eleven Labs in mehrere Sprachen übersetzt, so auch auf Deutsch.

Unterstützt wird das Projekt von der Europäischen Union im Rahmen des Programms Multimedia Actions. Alle Folgen abrufbar sind auch hier auf The Audio Marketplace.

Alle Quellen und Links zu dieser Folge findet ihr hier. Das vollständige Transkript dieser Folge auf Deutsch findet ihr hier.

Transkript anzeigen

00:00:00: Was geschieht, wenn Propaganda ihr wichtigstes Sprachrohr verliert?

00:00:04: Verschwindet sie oder wandelt sie sich um Menschen neu zu erreichen.

00:00:08: Willkommen zum LSEAU-Podcast wo wir Themen untersuchen die Europa prägen!

00:00:14: Ich bin Artus Gutz, Journalist bei TVNET Lettland In der heutigen Folge, wie sich Kremlpropaganda an das digitale Zeitalter angepasst hat.

00:00:30: Wen sie erreicht?

00:00:31: Warum Narrative so gut wirken und was Europa gegen ausländische Desinformation tun kann.

00:00:39: Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine haben die Europäische Union und mehrere ihrer Mitgliedsstaaten, darunter auch Lettland, weitreichende Beschränkungen für russische Staatsmedien eingeführt.

00:00:50: Diese Maßnahmen haben die Reichweite der vom Kreml unterstützten Sender in ganz Europa erheblich verringert und die Informationslandschaft in der Region verändert.

00:00:59: Für viele Europäer fühlt es sich das wie ein entscheidender Moment an.

00:01:04: Das russische Fernsehen war lange Zeit eines der sichtbarsten Instrumente des Kremls für seinen Einfluss im Ausland.

00:01:10: Plötzlich verschwanden Sender, die jahrelang in europäische Haushalte ausgestrahlt hatten – aus den TV-Paketen und von den Onlineplattformen.

00:01:17: Es war verlockend zu glauben dass das Verstummen des lautesten Sprachrohrs auch die Botschaft zum Schweigen bringen würde.

00:01:24: Aber Propaganda beschränkt sich nicht nur auf Fernsehsender.

00:01:27: Die Einschränkung der russischen Staatsmedien hat zwar ein wichtiges Vertriebssystem unterbrochen, aber die Narrative oder Netzwerke, die diesen Botschaften ein Publikum verschafft hatten wurden dadurch nicht ausgelöscht – die Einfluss-Operationen haben sich einfach angepasst!

00:01:52: Sie tauchen als Kurzvideos, Memes, Screenshots, Influencer-Kommentare und weitergeleitete Nachrichten auf.

00:01:58: Oft ohne erkennbare Verbindung zu ihrer ursprünglichen Quelle.

00:02:01: Dieses umfassendere Phänomen ist als ausländische Informationsmanipulation.

00:02:08: Dazu gehören glatte Unwahrheiten, aber auch verifizierte Fakten ohne Kontext gezielte Auslassungen und emotional aufgeladene Darstellungen.

00:02:17: Das Ziel ist nicht immer die Menschen davon zu überzeugen dass eine bestimmte Behauptung wahr ist.

00:02:21: Manchmal reicht es schon aus Zweifel zu sehen bestehende Vorurteile zu verstärken oder das Vertrauen in demokratische Institutionen zu schwächen.

00:02:31: Lettland ist hierfür ein besonders aufschlussreiches Fallbeispiel.

00:02:34: Jahrzehnte sowjetischer Besatzung und Migration haben die demografische und sprachliche Landschaft des Landes verändert, während das russische Fernsehen noch lange nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lettlands weit verbreitet war.

00:02:48: Das bedeutete, dass der Kreml nach Jahrzehnteinzwanzig sein Publikum nicht erst von Grund auf neu aufbauen musste.

00:02:55: Um zu verstehen warum Russlands Einflussstrategie in den baltischen Staaten anders funktioniert als in Westeuropa habe ich mit Maris Anjans gesprochen – dem Direktor des Zentrums für geopolitische Studien in Riga.

00:03:08: Im Westen hat Russland massiv in den Aufbau neuer Medien investiert und mit Social Media Stars einigen nicht Mainstream-Medien und Politikern zusammengearbeitet.

00:03:22: In den baltischen Staaten war das nicht nötig, weil es dort viele Menschen gibt die im sowjetischen und russischen Informationsraum aufgewachsen sind.

00:03:32: Physisch lebten sie in Lettland, aber virtuell also im Informationsraum in Russland.

00:03:38: Das ist ein Riesenunterschied.

00:03:40: In vielen Fällen musste man in den baltischen Staaten keinen neuen Informationsraum und keine neuen Medien schaffen weil die Leute einfach den Ansichten aus dem Osten gefolgt sind.

00:03:51: viele von ihnen musste man gar nicht erst überzeugen.

00:03:55: Was Anjans beschreibt, hilft zu erklären warum Lettlands Erfahrungen sich von den vieler Westeuropäischer Länder unterscheiden.

00:04:02: Der Kreml musste sich kein Publikum von Null aufbauen – diese Gewohnheiten sind in der lättischen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts verwurzelt.

00:04:11: Vor dem Zweiten Weltkrieg machten ethnische Letten siebenundseitzig Prozent der Bevölkerung aus.

00:04:17: Bis neunzehundertneinundtachtzig, nach Jahrzehnten sowjetisch geplanter Migration war dieser Anteil auf zweiundfünfzig Prozent gesunken.

00:04:25: Während die russische Bevölkerung von neun Prozent auf dreiunddreißig Prozent angewachsen war.

00:04:30: heute sprechen etwa fünfund dreißig prozent der Menschen in Lettland zu Hause Russisch.

00:04:35: Aber Sprache ist keine politische Einstellung und die russisch-sprachige Bevölkerung Lettlands, ist kein einheitliches Publikum.

00:04:44: Wie Anjans betont – ist das Bild nicht schwarz-weiß.

00:04:48: Diese Zahlen erklären jedoch die langfristige Existenz paralleler Sprach-und Informationsräume.

00:04:54: Jahrzehntelang war das russische Fernsehen in Lettland weit verbreitet.

00:05:00: Die Zuschauer konnten dieselben Nachrichten, Unterhaltungsshows und politischen Talkshows verfolgen wie das Publikum in Russland.

00:05:07: Als diese Sender nach zwei Tausendzwanzig eingeschränkt wurden fiel eine wichtige Quelle direkten Kremel-Einflusses weg.

00:05:14: aber die Gewohnheiten und Narrative die dadurch gefestigt worden waren verschwanden nicht über Nacht.

00:05:20: Das wirft eine entscheidende Frage auf.

00:05:23: Richten sich diese Einflussversuche hauptsächlich an Russischsprachige oder dringen Kreml-Narative auch in die breitere politische Debatte und den Alltag in Lettland ein?

00:05:33: Ich habe Anjans gefragt, wer die Zielgruppe ist und wie leicht diese narrative Sprachgrenzen überschreiten können.

00:05:41: Natürlich geht es nicht nur um das russischsprACHige Publikum aber eben vorwiegend – da sehen wir auch an den Meinungsumfragen!

00:05:51: Es ist kein reines schwarz-weiß Bild, aber es gibt deutliche Unterschiede wenn es um die Unterstützung für die Ukraine geht.

00:06:01: Um die Ansichten über Russland, über DINATO.

00:06:06: Lette Sprache stehen zur Ukraine verurteilen Russland und befürworten die NATO weit stärker als russischsprachige.

00:06:16: Es gibt natürlich auch Teile der lettischsprachigen Bevölkerung, die anfällig für russische Propaganda sind.

00:06:26: Aber in erster Linie geht es hier um die russisch-sprachige Bevölkerung.

00:06:33: Ein Teil der Öffentlichkeit versteht definitiv, dass es nicht nur um russischsprachige Inhalte geht.

00:06:42: Denn man findet verschiedene Narrative auch auf lättisch.

00:06:47: Wir haben ja Politiker.

00:06:48: am dritten Oktober stehen in Lettland Wahlen an.

00:06:53: Es gibt da einige Parteien Die russische Narrative übernehmen und verbreiten etwa über Drohnen, über die Werbpflicht oder über die Politik.

00:07:06: So nach dem Motto Lettland sei teilweise ein gescheiterter Staat usw.. Ich denke, die Leute verstehen das es nicht nur um russischsprachige Inhalte geht sondern dass Russland Narrative auch in andere Teile des Medienraums vorbringen.

00:07:25: Nichtsdestotrotz geht es hier in den baltischen Staaten besonders in Lettland und Estland vorwiegend um russia sprachige Enhalte.

00:07:33: dort findet man viel mehr Desinformationen.

00:07:37: Russland muss nicht spezifisch sein oder Operation im Baltikum starten tut es aber doch, denn viele russischsprachige leben ohnehin im russischen Informationsraum.

00:07:55: Hans-Hans Antwort deutet auf zwei Realitäten gleichzeitig hin.

00:07:59: Russisch sprachige Inhalte bleiben zwar das Hauptproblem, aber Kremlnarrative bleiben nicht in einer Sprachgemeinschaft isoliert.

00:08:08: Einmal an lokale Debatten angepasst können sie von einheimischen Politikern, Online-Creatorn oder anonymen Social Media Accounts auf lätisch wiederholt werden.

00:08:19: Manchmal ohne jede sichtbare Verbindung zu russischen

00:08:22: Staatsmedien.".

00:08:23: Ein Kremlnarrativ kann also viel weiter reisen als der Sender, der es ursprünglich verbreitet hat.

00:08:29: – Einschatzung des Verfassungsschutzbüros und des Staatssicherheitsdienstes zeigen wie dieses Information zum Feld an das digitale Zeitalter angepasst wird!

00:08:41: Die Dienste beschreiben koordinierte Aktivitäten auf Online-Plattformen, auf verschiedene Zielgruppen zugeschnittene Botschaften.

00:08:49: Den zunehmenden Einsatz von KI und Versuche einheimische anzuwerben – manchmal eher für Geld als aus Ideologie!

00:08:58: Das unmittelbare Thema mag Sprachenpolitik, Energiepreise, Migration oder der Krieg in der Ukraine sein.

00:09:05: Aber die strategischen Themen bleiben dieselben.

00:09:08: Lettland wird als Russophob- oder Faschistisch dargestellt – als Marionette des Westens oder als Land das russischsprachige systematisch diskriminiert.

00:09:18: Andere Narrative stellen die EU als unaufhaltsam im Niedergang begriffen dar, den Westen als moralisch korrupt und die Unterstützung für die Ukraine als zwecklos oder schadlich.

00:09:30: Verschiedene Geschichten können also demselben Zweck dienen, das Vertrauen in den lättischen Staat zu schwachen, soziale Spaltungen zu vertiefen und die öffentliche Unterstützung für die Ukraine, die NATO und die EU zu untergraben.

00:09:46: Deshalb war die Einschrankung des russischen Staatsfernsehens nur ein Teil der Lösung.

00:09:52: Der Sender mag verschwinden aber das Narrativ kann überleben übersetzt, neu verpackt und von seiner ursprünglichen Quelle losgelöst.

00:10:01: Lettland wird international oft als eines der entschlossensten Länder Europas im Kampf gegen Kremlpropaganda angeführt.

00:10:10: Aber machen pauschale Beschrankungen allein es zu einem erfolgreichen und nachhaltigen Langzeitmodell – gegen dessen Information?

00:10:19: Ich habe Anzans gefragt ob Lettlands genug getan hat!

00:10:24: Ich glaube nicht, dass Lettland A zu den erfolgreichsten bei der Bekampfung russischer Propaganda gehört hat.

00:10:32: A denn hatte Russland die Ukraine nicht überfallen?

00:10:35: Gabe es wohl kein Verbot für Russische?

00:10:39: Staats- und Verwandte Medien?

00:10:41: A und viele Aktivitäten gegen russische Desinformationen werden gar nicht erst eingeleitet worden.

00:10:50: Und es gibt wieder viele ungelöste Probleme, zum Beispiel wie man mit den hier lebenden Russischsprachigen in Kontakt tritt.

00:11:03: Wie man ihnen hilft die lättische Sprache zu lernen was viele über Jahrzehnte nicht konnten wollten oder vermochten zu lernen.

00:11:13: Lettland ist wohl kaum ein gutes Beispiel.

00:11:18: Dank der Ukraine wurden die mutigsten Schritte unternommen, etwa das Verbot russischer Staatsmedien und bisher läuft es ganz gut.

00:11:31: aber trotzdem sehen wir laut verschiedenen Umfragen dass es erhebliche Unterschiede gibt wenn man die Ansichten von Lettesprachigen und Russesprachige vergleicht.

00:11:47: Die russische Sprache halten mit ihrer Meinung hinterm Berg, sie äußern sich nicht zu sensiblen Themen wie der Ukraine oder

00:11:58: Russland.".

00:12:00: Anzans Einschatzung macht die einfache Erfolgsgeschichte Lettlands komplizierter.

00:12:05: Er behauptet nicht, dass die Beschrankungen unnötig waren.

00:12:09: Sie haben die Reichweite der russischen Staatssender verringert und einen wichtigen Kanal für direkte Kremlbotschaften entfernt.

00:12:17: Sein Punkt ist – das Maßnahmen als Reaktion auf eine Krise allein die über Jahrzehnte entstandenen Graben nicht zuschütten können!

00:12:26: Seine Antwort verschiebt die Debatte auch von Beschrankungen hin zu Resilienz.

00:12:31: Langfristige Resilience erfordert mehr als das blockieren feindseliger Medien, sie hängt auch von Engagement sprachlicher Integration und Vertrauen ab – und davon dass verschiedene Gemeinschaften Teil eines gemeinsamen öffentlichen Diskurses bleiben.

00:12:47: Lettland bietet daher zwei wichtige Lektionen.

00:12:50: Entschlossene Regulierung kann die etablierten Vertriebskanale des Kremls stören, aber das Entfernen dieser Kanale löscht nicht automatisch die Gewohnheiten des Publikums oder die parallelen Informationsraume aus von denen Einflussoperationen abhangen.

00:13:06: Lettland ist nur ein Teil eines viel größeren europäischen Bildes.

00:13:09: Wenn seine Erfahrung zeigt, wie Geschichte und Demografie ein Informations-Ökosystem über Jahrzehnte stützen können, zeigt Polen, wie der Kreml sich anpasst wenn diese Bedingungen nicht gegeben sind.

00:13:22: Anders als Lettlands hat Polen keine groene russischsprachige Minderheit Und versuche ein positives Bild von Russland zu vermitteln finden kaum öffentlich.

00:13:31: in Widerhall also andert sich die Strategie.

00:13:35: Anstatt die Polen davon zu überzeugen, Russland zu unterstützen versuchen Einfluss-Operationen sie gegen die Ukraine und gegeneinander aufzubringen.

00:13:44: Um zu verstehen wie das in der Praxis aussieht habe ich mit Bartos Koczeko Zukalski gesprochen dem stellvertretenden Chefredakteur von Okopres.

00:13:54: Ich fragte Ihnen zunächst, warum der Begriff Desinformation nicht mehr ausreicht um das zu beschreiben womit Polen konfrontiert ist und was der Kreml eigentlich zur Erreichen versucht.

00:14:06: Jahre lang standen die polnische Politik und Gesellschaft unter standigem Beschuss durch russische Desinformation.

00:14:13: Aber heute bedeuten das Ausmaß und die Raffinäse dieser Operationen, dass Desinformation nicht mehr als ausreichender Begriff erscheint.

00:14:21: Deshalb sprechen wir immer öfter von kognitiver Kriegsführung.

00:14:26: Aus Sicht des Kremls sind die Ziele recht simpel.

00:14:28: Das Erste ist Polens Unterstützung für die Ukraine zu schwachen – das ist das offensichtlichste Ziel.

00:14:35: Das ist wichtig, denn Polen ist zum zentralen Logistik-Hub für die Ukraine geworden.

00:14:41: Zweitens soll die europäische Einigkeit zur Ukraine untergraben werden.

00:14:46: Diese Einigkeit ist die Basis für die militärische politische und finanzielle Unterstützung für Kijiv.

00:14:54: Das Ziel ist, Zweierlei Russland zu helfen durch kognitive Kriegsführung das zu erreichen was ihm auf dem Schlachtfeld nach mehr als vier Jahren ukrainekrieg nicht gelang.

00:15:09: Angesichts der Geschichte Polens als wiederholtes Opfer russischen Imperialismus ist es für russische Propagandisten schwer ein positives Bild von Russland zu vermitteln.

00:15:23: Solche Narrative finden in der polnischen Gesellschaft kaum Anklang.

00:15:35: Er muss nur ihre Unterstützung für die Ukraine schwächen und die europäische Solidarität erschweren.

00:15:46: Anders gesagt, die Operation kann erfolgreich sein – selbst wenn Russland selbst zutiefst unpopulär bleibt!

00:15:54: Nach twenty-twoundzwanzig kamen viele ukrainische Flüchtlinge nach Polen.

00:15:59: Ein Land das zuvor ethnisch homogen war erlebte einen rasanten demografischen Wandel.

00:16:06: Russische Einfluss-Operation reagierten schnell, um die Ängste rund um diesen Wandel auszunutzen.

00:16:13: Die Strategie lässt sich wie Koceko Zukalski erklärt in einem Satz zusammenfassen

00:16:19: Anstatt das Ansehen Russlands in der Welt zu verbessern versucht der Kreml nun gezielt die polnische Bevölkerung gegen die Ukraine aufzuhetzen.

00:16:31: Aber die Botschaft braucht auch ein Verbreitungssystem.

00:16:34: In Polen kombiniert dieses System zunehmend koordinierte Spam-Netzwerke scheinbar gewöhnliche Social Media Profile und künstliche Intelligenz.

00:16:44: Diese Tools ermöglichen es, dass das selbe Narrativ in vielen verschiedenen Formen erscheint – als Nachrichtenartikel Facebook Post Persönlicher Erfahrungsbericht oder sogar als Video von jemandem der vorgibt einen polnischer Soldat zu sein.

00:16:59: Koczeko Sukalski beschreibt mehrere der von Journalisten und Forschern identifizierten Methoden.

00:17:06: Unsere Journalistin von Okopres, Anna Mirczynska hat Schlüsselelemente der antieukrainischen Kampagne gegen Polen identifiziert.

00:17:18: Erstens nutzt die Kampagne vietnamesische Spam-Netzwerke riesige Farmen aus Fake-Websites und Social Media Accounts betrieben von vietnameasischen Cyberkriminellen.

00:17:32: Das Ausmaß dieser Netzwerke ist enorm!

00:17:37: Und zweitens fühlt sich Facebook zunehmend mit polnischen Profilen, die wir echte Nutzer wirken.

00:17:45: Doch viele dienen nur dazu russische Inhalte zu recyceln und zu verstärken.

00:17:53: Drittens nutzen Propagandisten das öffentliche Vertrauen in das polnische Militär aus.

00:18:00: Das ist ein relativ neues Phänomen.

00:18:03: Forscher haben KI-generierte Videos identifiziert, in denen falsche polnischer Soldaten scheinbar erfundene Botschaften verkünden.

00:18:12: Und schließlich werden die Narrative selbst immer extremer.

00:18:17: Ihr Ziel ist simpel, die Beziehungen zwischen Polen und Ukrainern zu vergiften.

00:18:22: Erfundene Geschichten beschuldigen Ukrainer schrecklicher Verbrechen behaupten sie hätten keinen Respekt vor Polen oder stellen Sie sogar als militärische Bedrohung dar.

00:18:33: Die Werkzeuge mögen unterschiedlich sein aber erfüllen die gleiche Funktion Sie lassen feindselige Narrative lokal, weit verbreitet und glaubwürdig klingen.

00:18:43: Eine Behauptung die von hunderten scheinbar unabhängigen Accounts wiederholt wird kann wie ein echter öffentlicher Konsens wirken.

00:18:51: eine gefälschte Botschaft von jemandem in Uniform kann sich die Glaubwürdigkeit der Institution leihen die sie imitiert aber Technologie allein erklärt nicht warum diese Botschaften ankommen.

00:19:03: Sie ist nur das Liefer-System.

00:19:05: Der Inhalt wird mächtig, wenn er an echte Ängste politische Streitigkeiten und ungelöste historische Erinnerungen anknüpft.

00:19:14: In Polen betrifft eine der sensibelsten dieser Erinnerung die Massaker am Polen in Wolhynien und Oskalicien – eines der schmerzhaftesten Kapitel der polnisch-ukrainischen Geschichte.

00:19:27: Koceko Sukalski argumentiert, dass russische Einflussoperation diese Geschichte ausnutzen.

00:19:33: Aber das auch inländische politische Akteure deren Wirksamkeit erhöhen können wenn sie dieselbe Missstände für Wahlkampfzwecke nutzen.

00:19:42: Um diese Botschaften überzeugender zu machen, nutzt die russische Propaganda auch eines der schmerzhaftesten Kapitel der polnisch-ukrainischen Geschichte aus.

00:19:52: Die Volhynienmassaker von Pfleinfizk.

00:19:55: Dieses Thema ist vor kurzem wieder zu einer Spannungsquelle zwischen Vasa und Kiev geworden – und ehrlich gesagt haben beide Regierungen zu diesen Spannungen beigetragen!

00:20:06: Aber in Polen haben einige rechte Politiker eindeutig aus innenpolitischem Kalkül den Streit eskaliert und damit geholfen Narrative zu legitimieren, die denen der russischen Propaganda stark ähneln.

00:20:23: Das ist einer der Gründe warum eine russische kognitive Operation so effektiv war.

00:20:30: Jüngste Umfragen zeigen erstmals seit Jahrzehnteuzehn, lehnt eine Mehrheit der Polen die Aufnahme weiterer ukrainischer Kriegsflüchtlinge ab.

00:20:42: Eine knappe Mehrheit aber immerhin auch die Unterstützung für einen EU-Beitritt der Ukraine ist stark gesunken wird aber noch von der Mehrheit befürwortet.

00:20:54: Um es also zusammenzufassen, Russland führt einen kognitiven Krieg gegen Polen und wir verlieren viele seiner Schlachten aufgrund unserer eigenen politischen Entscheidungen.

00:21:05: Sein letzter Satz ist vielleicht der wichtigste Ausländische Einflussoperationen agieren nicht außerhalb der Innenpolitik.

00:21:14: Sie nutzen sie aus.

00:21:15: Russland mag den Druck erzeugen oder verstärken, aber lokale Politiker und Social Media-Nutzer können seine Wirkung vervielfachen indem sie dieselben Aussagen aus eigenen Gründen wiederholen.

00:21:27: sobald das passiert wirkt das Narrativ nicht mehr fremd.

00:21:32: Es wird Teil einer ganz normalen nationalen Debatte.

00:21:35: Das ist eines der prägenden Merkmale ausländischer Informationsmanipulation und Einmischung.

00:21:41: Die Herkunft jedes einzelnen Posts, ist weniger wichtig als der kumulative Effekt auf die öffentliche Diskussion.

00:21:47: Jemand, der ein Kremelnaas-Narrativ wiederholt hat vielleicht keine direkte Verbindung zu Russland – unerkennt nicht einmal die strategische Funktion des Narratives.

00:21:58: Lettland und Polen zeigen daher zwei verschiedene Ansatzpunkte für Einfluss-Operation.

00:22:03: In Lettlands kann Russland auf ein seit langem etabliertes, russischsprachiges Informationsumfeld zurückgreifen – in Polen instrumentalisiertes Sorgen über die Ukraine, Flüchtlinge.

00:22:18: Die Methoden unterscheiden sich, aber das strategische Ziel ist ähnlich.

00:22:22: Vertrauen zu mindern, Spaltung zu vertiefen und europäische Gesellschaften weniger fähig zu machen gemeinsam zu handeln.

00:22:29: Europa ist nicht untätigt geblieben.

00:22:32: Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten haben Sanktionen gegen Kremlpropagandasender verhängt, in Medienkompetenz und öffentliches Bewusstsein investiert und Initiativen wie EU vs.

00:22:44: Disinf unterstützt – das Vorzeigeprojekt des europäischen auswertigen Dienstes zur Identifizierung und Aufdeckung pro russischer Desinformationen.

00:22:54: Diese Maßnahmen sind wichtig!

00:22:57: Beschränkungen haben die direkte Reichweite russischer Staatssender verringert, während Forscher und Journalisten besser darin geworden sind, koordinierte Kampagnen und wiederkehrende Narrative zu erkennen.

00:23:09: Aber die Erfahrungen Lettlands und Polens zeigen auch die Grenzen der Regulierung auf.

00:23:14: Ein Fernsehcenter kann gesperrt werden, nur damit seine Narrative über hunderte Social Media Accounts wieder auftauchen.

00:23:22: Eine erfundene Geschichte kann widerlegt werden – nur um durch eine andere Assets zu werden die dieselbe Angst oder denselben Grohl aktiviert.

00:23:30: Langfristige Resilienz erfordert daher mehr als nur das entfernen feindseliger Inhalte.

00:23:36: Sie hängt auch davon ab ob Menschen Zugang zu glaubwürdigen Informationen haben, ob professioneller Journalismus das öffentliche Vertrauen behält und ob verschiedene Teile der Gesellschaft mit einem gemeinsamen öffentlichen Diskurs verbunden bleiben.

00:23:50: Diese Herausforderung wird immer dringlicher, da künstliche Intelligenz manipulierte Bilder Stimmen und Videos einfacher produzierbar macht und sich immer mehr Menschen vom traditionellen Journalismus abwenden.

00:24:02: Und stattdessen einzelnen Creators Influencern und algorithmisch ausgewählten Feeds zu wenden.

00:24:08: Zum Abschluss kehre ich zum Marius Anjans zurück und frage was dieses sich verändernde Informationsumfeld für normale Bürger bedeutet?

00:24:20: Das ist ein besorgniserregendes Thema, weil die traditionellen oder etablierten Medien Zuschauer, Hörer und Leser verlieren.

00:24:33: Und das wird zu einem erheblichen Problem, weil jetzt im Grunde jeder zu einem Medium- und einer vertrauenswürdigen Stimme werden kann.

00:24:42: Jeder kann zum Experten werden während klassische Medien weiterhin als Gatekeeper fungieren.

00:24:49: Also welche Ansichten gehört werden?

00:24:54: Nun, das wird jetzt viel komplizierter.

00:24:57: Wer am interessantesten und ansprechendsten spricht bekommt die meisten Klicks und oft sind diese Ansichten nun ja nicht präzise.

00:25:12: Nun, um auf die letzte Frage einzugehen es wird immer schwieriger des Informationen zu erkennen.

00:25:20: Weil es so viele Ansichten gibt ist es kaum noch möglich zu sagen was wahr ist.

00:25:31: das wird durch deepfakes und generative KI immer schwierige.

00:25:40: Ich würde trotzdem vorschlagen den öffentlich-rechtlichen.

00:25:46: Man sollte traditionellen Medien folgen und die Nachrichten miteinander vergleichen, ich verstehe vollkommen dass das viel verlangt ist aber ich rate ihnen dringend dazu lieber echten Experten zu folgen anstatt nur Leuten mit bloß interessanten Ansichten.

00:26:09: Anjans Rat mag simpel klingen, aber er spiegelt eine der zentralen Lehren dieser Diskussion wieder.

00:26:15: Resilienz gegen Informationsmanipulation lässt sich nicht allein durch Sanktionen Technologie oder Regulierung aufbauen.

00:26:24: Sie hängt auch von täglichen Gewohnheiten ab Informationen über vertrauenswürdige Quellen hinweg zu vergleichen, emotionale Behauptungen zu hinterfragen und Journalismus zu stützen der auf Fakten und Standards setzt.

00:26:38: Die Antwort lautet daher nicht dass Kremlpropaganda ein neues Publikum gefunden hat.

00:26:43: sie hat viele verschiedene Wege zu verschiedenen Zielgruppen gefunden.

00:26:48: In Lettland konzentriert sich die Exposition weiterhin auf Teile des russischsprachigen Informationsraums, obwohl Kreml-Narrative auch Sprachbarrieren überwinden und in die lätische politische Debatte und den Alltag eindringen.

00:27:02: In Polen erreichen antiukrainische Narrative die Öffentlichkeit, indem sie an Sorgen über Flüchtlinge, nationale Identität und das historische Gedächtnis anknüpfen.

00:27:12: was beide Fälle verbindet ist nicht eine Sprache, eine Plattform oder eine demografische Gruppe.

00:27:19: Es ist die Ausnutzung von Spaltungen, die bereits existieren.

00:27:23: Propaganda ist am schwersten zu erkennen wenn sie nicht wie importiert aussieht, wenn sie so klingt wie etwas worüber die Gesellschaft bereits streitet.

00:27:31: Das Abschalten des russischen Staatsfernsehens war wichtig.

00:27:36: es reduzierte den direkten Zugang zu einem der mächtigsten Einflusssysteme des Kremls aber es beseitigte nicht die Narrative oder Netzwerke die diesen Einfluß stützen.

00:27:46: Das lauteste Megafon mag weg sein.

00:27:48: Die Botschaft verbreitet sich nun über Tausende kleinere, deshalb hängt demokratische Resilienz nicht nur davon ab feindselige Medien einzuschränken sondern auch davon vertrauenswürdige Informationen professionellen Journalismus und die Gewohnheiten zu stärken, die den Menschen helfen Fakten von Manipulationen zu unterscheiden.

00:28:08: Sie haben den LENS EU Podcast gehört der beleuchtet was Europas Gemeinschaft antreibt.

00:28:14: Ich bin Arturs Gutz.

00:28:16: Vielen Dank fürs Zuhören und seien sie nächste Woche wieder dabei für eine weitere Geschichte aus ganz Europa.

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