Velina Tchakarova: "Für die USA ist China die große Gefahr, nicht Russland"
Shownotes
Hosts: Thomas Seifert, Martyna Czarnowska Gast: Velina Tchakarova Redaktion: Anna Wallner Produktion: Georg Gferer/audio-funnel.com](https://www.linkedin.com/in/georg-gfrerer-b20a3362)/audio-funnel.com)
Die Gesprächspartnerin dieser Folge ist die Geopolitikstrategin Velina Tchakarova. Sie ist Gründerin des geopolitischen Beratungsunternehmens FACE und eine der führenden Stimmen in unserer Region, wenn es um globale Machtverschiebungen geht. Wir sprechen über das Konzept des „Drachenbären" - die Allianz zwischen China und Russland -, Trumps Strategie im Ukrainekrieg, Chinas Einfluss in Osteuropa und warum Europa in einem gefährlichen strategischen Dilemma gefangen ist. Ein Gespräch über die neue Weltordnung, den Kalten Krieg 2.0 und Europas Suche nach dem dritten Weg zwischen Washington und Peking.
Velina Tchakarova war bis Anfang 2023 Direktorin des Österreichischen Instituts für Europa- und Sicherheitspolitik (AIES). Sie studierte Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und an der Universität für National- und Weltwirtschaft in Sofia, Bulgarien.
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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Eastside Stories.
00:00:15: Wir sind Martina Czarnowska und Thomas Seifert.
00:00:18: In unserer heutigen Folge haben wir einen besonderen Experten, sogar so und zwar die
00:00:23: Wilina Czacharova. Sie ist eine Geopolitik-Strategin, sie ist Gründerin des geopolitischen Beratungsunternehmen
00:00:29: FACE und einer der führenden Stimmen in unserer Region, wenn es um die globalen Machtverschiebungen
00:00:34: und die Beziehung zwischen den Großmächten geht. Wir werden mit ihr über die aktuelle
00:00:38: Weltlage und die Rolle Europas und die strategische Partnerschaft zwischen Russland und China sprechen.
00:00:44: Ein Konzept, das sie, maßgeblich mit dem Begriff "Glagan Beer", China, der Drache,
00:00:50: Russland, der Beer geprägt hat.
00:00:52: Bevor wir aber in das große Gespräch einsteigen, schauen wir nach Sofia. Von dort hat uns
00:00:58: unserer heutige Voice Message erreicht. Sie ist von Anna Atanasova. Anna ist Copywriterin,
00:01:04: beschäftigt sich mit digitalen Strategien und betreibt gerade eine Online-Plattform, die
00:01:08: sich mit Musik- und kulturellen Veranstaltungen rund um Sofia befasst. Und sie hat uns folgende
00:01:13: Nachricht geschickt.
00:01:14: Voice Message. What's up, Sofia?
00:01:19: Dabarden und Sofia. It's the midst of the summer yet, Sofia is buzzing. And you can feel it everywhere.
00:01:27: In the parks, on the streets, in the festivals that bring together music and ideas and even in the
00:01:33: co-working spaces, where the ecosystem is preparing for the busy autumn season. Over the past seven
00:01:40: or eight years, the start-up scene here has exploded, producing not just fast growing companies,
00:01:47: but also unicorns that put Bulgaria on the global tech map.
00:01:52: Earlier this year, we got the great news that Sofia will be the home of one of Europe's
00:01:56: AI factories, following the brilliant work of Insight.
00:02:02: There are many people who are pushing the boundaries of research and innovation, and who are making
00:02:06: Sofia really a deck hub for the future of innovation and technology. If you ever get the chance, you
00:02:13: should definitely come and visit.
00:02:17: Das war Anna Adanasova. Vielleicht zur Ergänzung. Insight, das Anna erwähnt hat, ist das Institut
00:02:23: for Computer Science, Artificial Intelligence and Technology, das in Sofia angesiedelt ist
00:02:28: und am Aufbau eines Zentrums für künstliche Intelligenz beteiligt ist. Anna ist übrigens
00:02:33: eine unserer Autorinnen in der nächsten Ausgabe von Europien Voices. Sie schreibt darüber,
00:02:38: wie junge Bulgarien, die ins Ausland gezogen sind, wieder in ihre Heimat zurückkehren.
00:02:42: Und das ist ein Kontrapunkt zum Trend der massiven Emigration von der gerade Länder
00:02:47: wie Bulgarien und Rumänien betroffen sind.
00:02:49: In diesem Podcast haben wir offenbar so etwas wie einen Bulgarien-Schwerpunkt, Martina.
00:02:54: Ja, das sieht so aus.
00:02:56: Nicht in unser nächster Studiogast, Belina Zacharova. Sie ist in Sofia geboren.
00:03:01: So, und in euer Gespräch hören wir jetzt rein.
00:03:04: Belina, meine erste Frage bei meinen Gästen ist immer, wo warst du denn gerade?
00:03:11: Ich habe zum ersten Mal seitdem ich in Österreich bin, also ich bin fast 20 Jahre in Österreich
00:03:17: und zum ersten Mal habe ich mir vorgenommen, eigentlich im Sommer, eine Reise zurück in
00:03:23: die Heimat zu unternehmen und damit meine ich natürlich eine längere Reise und innerhalb
00:03:27: von acht Tagen habe ich 1.500 km absolviert, also bin ursprünglich aus Sofia, aus der
00:03:35: Hauptstadt.
00:03:36: Also ein paar Tage...
00:03:37: Dort geboren, nicht?
00:03:38: Dort geboren, dort groß geworden und habe dort ein paar Tage verbracht und dann auch
00:03:44: in der zweitgrößten Stadt, Plovdiv.
00:03:46: Wir haben sie auch vorhin schon gehört, unser WhatsApp kommt auch aus Sofia in dieser Ausgabe
00:03:52: und auch da hört man die Begeisterung von Anna durch, die über diese tolle Start-up-Szene
00:03:57: in Sofia berichtet, das heißt, offenbar ist Bulgarien ein unterschätztes Land, kann man
00:04:02: sagen.
00:04:03: Man kann auch offenbar in die IT-Industrie investieren.
00:04:04: Oh, absolut, das ist ein Geheimtipp.
00:04:06: Die Sache ist doch jetzt mit Alaska komplizierter geworden, weil wir jetzt auch sehen, wie die
00:04:13: Amerikaner ticken, wie zumindest Donald Trump tickt, da gab es ja die Theorie "Er spielt
00:04:18: den Reverse nixen".
00:04:19: Was hältst du von dieser Theorie?
00:04:20: Es ist keine Theorie, das ist der Ansatz und ich kann das auch bestätigen, weil ich manche
00:04:25: der Hauptbruder-Gunisten in diesem neuen Trump-Team, auch Trump-Team, also wenn es um Außen-Sicherheit
00:04:32: und Teilungspolitik geht, auch persönlich käme und ich kann eigentlich bestätigen,
00:04:39: dass das der Mindset ist, der Mindset ist und das leite ich auch aus Gesprächen mit diesen
00:04:46: Personen ab.
00:04:47: Das heißt, sie haben auch kein Geheimnis daraus gemacht, schon vor der Präsidentschaftswahl.
00:04:53: Jetzt sind manche wie zum Beispiel ein Bridge Kobe, der ist jetzt stellvertretender, Verteidigungsminister
00:05:00: in den USA und so ähnlich, es läuft auch bei anderen in diesem Team ab.
00:05:09: Und der Mindset ist der folgende, Russland stellt keine sötäische Gefahr für die USA.
00:05:19: Da, also das heißt aus amerikanischer Sicht, vor allem diese Verwaltung betrachtet Russland
00:05:27: nicht als sötäische Gefahr, Herausforderung schon, aber nicht als Gefahr.
00:05:34: Die einzige Gefahr, die einzige allgängelwertige, umfassende Gefahr für diese Administration
00:05:41: ist China.
00:05:42: Und noch was, was diese Administration gemacht hat, ist, dass sie einen offenen Krieg mit
00:05:51: anderen Mitteln, muss ich noch unterstreichen, also es geht überhaupt nicht um einen konventionellen
00:05:56: Krieg, aber diese Administration hat einen offenen Krieg, Kinder gegenüber erklärt.
00:06:01: Im handelspolitischen Bereich, also wirtschaftlichen Bereich, im Bereich der kritischen Rohstoffe,
00:06:09: im Bereich der neuen Technologien, also der vierten industriellen Revolution, im Bereich
00:06:16: des Feldraums und auch im Bereich der Verteidigung.
00:06:20: Es läuft, das heißt, sie werden schon einen reversed, nixen Kissinger Ansatz probieren,
00:06:26: aber aus meiner Sicht haben sie kurzfristig überhaupt keine Chance.
00:06:31: Warum?
00:06:32: Weil Russland und ich würde jetzt mal behaupten, auch Alaska, Gipfel treffen, ist eine Funktion
00:06:40: von dieser sötäischen Ernährung, also es zahlt sich jetzt sowohl für Russland als
00:06:44: auch für China kurzfristig aus, dass sie zusammenhalten aus unterschiedlichen Gründen
00:06:50: und nochmals, sie haben nicht in allen Bereichen überlappende nach Interessen und Zielsetzungen,
00:06:57: aber momentan sehe ich überhaupt keinen Spielraum für die Amerikaner, dass sie beide auseinander
00:07:04: driften lassen, also dass sie beide auseinander bringen.
00:07:07: Was ich unter anderem aber schon sehe, ist, dass man jetzt die Weichen stellt und versucht,
00:07:12: den kleineren Partner zu neutralisieren, und zwar indem man eigentlich erstmal ist Russland
00:07:23: und deshalb auch umgekehrt, indem man eigentlich nicht nur einen sötäischen Dialog wieder
00:07:28: einführt, sondern indem man auch russische Positionen in anderen Konfliktherden, also
00:07:35: weil wir haben jetzt nicht nur das Thema, das Riesenthema des russischen Krieges gegen
00:07:40: die Ukraine, sondern wir haben eigentlich das Thema, dass Russland auch in anderen wichtigen
00:07:44: Konfliktherden mitspielt oder beteiligt ist, manchmal militärisch präsent ist, manchmal
00:07:51: politisch sehr stark präsent ist, und auch da muss man in irgendeiner Form, in irgendeiner
00:07:56: Weise auf die russische Position eingehen und natürlich weiß man ganz genau, so Stichwort
00:08:02: Iran, weiß man ganz genau, wenn man sich da nicht einigt, bilateral und da irgendwie
00:08:07: nicht eine Plattform schafft, da kommt man auch bei den anderen Themen nicht weiter.
00:08:12: Die Tatsache ist, diese Trump-Verwaltung sieht die Möglichkeit einer Zweifrontenkonfrontation
00:08:21: als das gefährlichste Szenario, also sie ist der Meinung, dass die USA keine zwei umfassenden
00:08:29: Kriege an zwei Fronten, Stichwort Europa und Stichwort Indo-Pacific gleichzeitig führen
00:08:36: kann, und deshalb geht es jetzt einfach darum zu sehen, wo sind die Prioritäten, die liegen
00:08:42: beim Indo-Pacific, also wir müssen jetzt dieses große strategische Kapitel unbedingt mit
00:08:47: allen Mitteln abschließen, das ist der Mindset.
00:08:49: An dieser Stelle muss ich jetzt kurz mal innehalten und mal überlegen, was heißt das jetzt eigentlich
00:08:53: für Europa, weil was du das skizzierst, das bedeutet, okay, die Amerikaner interessieren
00:08:58: möglichst schneller Friede, egal wie mit den Russen, um sich voll auf den Pacific konzentrieren
00:09:03: zu können.
00:09:04: Für Europa heißt das doch, okay, was sind unsere Probleme mit China, sind viel geringer
00:09:10: als die mit Russland, weil Russland für den Krieg gegen ein europäisches Land nämlich
00:09:13: die Ukraine und hat die Ukraine zum Teil besetzt und wir wissen auch nicht, ob Emissionen vielleicht
00:09:19: eines Tages gibt, auch weiter zu gehen und die NATO zu testen.
00:09:23: Während der Amerikaner ihr Problem sehen sie zurecht oder zunrecht mit China, mit dieser
00:09:28: strategischen Auseinandersetzung und jetzt eine kurze Frage, wenn der Reverse nixen, was
00:09:32: würde ein europäischer Nixen tun und jetzt meine T-Set europäischer Nixen würden nach
00:09:36: Peking fahren und würden mal sehen, na gut, was gibt es hier eigentlich für Möglichkeiten?
00:09:40: Können wir mit China vielleicht den Chinesen erklären, liebe Leute, für uns ist Russland
00:09:44: ein großes Problem, helft uns doch hier und gleichzeitig haben wir viele andere gemeinsame
00:09:50: Interessen.
00:09:51: Ich sage nur, wir sind genauso wie China eine Elektro-Empire, dazukunft werden die Amerikaner
00:09:57: mit den Russen gemeinsam Petro-Imperien immer noch sehen und das wahrscheinlich bleiben
00:10:01: wollen, solange dort Gas und Öl überhaupt existiert.
00:10:03: Es gäbe doch Ansatzpunkte, dasselbe was Trump mit den Russen versucht, die Europäer
00:10:09: mit den Chinesen zu versuchen, zu sagen, ok, können wir nicht uns von Amerikanern stärker
00:10:13: lösen, wenn uns die fallen lassen würden und wir hätten gleichzeitig auch eine Drogebärde
00:10:17: gegen Washington zu sagen, moment mal, auch wir haben andere Optionen.
00:10:20: Wir sind auch in einem irren strategischen Dilemma hier.
00:10:23: Also so ist das tatsächlich passiert und die Wirklichkeit, also nicht in dem Ausmaß wie
00:10:27: von dir jetzt dargestellt, aber in gewisser Weise ist es genau das passiert, also die
00:10:33: europäische Kommission bzw. einzelne EU-Mitgliedsstatten haben genau diese Strategie entwickelt, wo sie
00:10:39: lange gesagt haben, also wir brauchen unbedingt eine Equidistanz, also wir müssen unbedingt
00:10:44: schauen, dass wir unsere Partnerschaft, also unser Verhältnis zu China in irgendeiner Form
00:10:51: gestalten, dass wir auch eine Ballonsakt spielen können zwischen den Chinesen und den Amerikanern.
00:10:57: In weiterer Folge hat man auch ein Gipfeltreffen organisiert, im Juli, das Ziel war es also
00:11:03: statt Entkopplung, also das ist der Slogan der Amerikaner, de coupling, also Entkopplung,
00:11:09: statt Entkopplung zu schauen, dass wir einen sogenannten Risikominimierungsansatz betreiben,
00:11:17: also der Risikansatz und dann auch schauen, in welchen Bereichen, also du hast ein paar
00:11:23: genannt, wir mit den Chinesen eigentlich kooperieren, nur mein Problem mit diesem Ansatz ist es,
00:11:31: dass er auch sehr wohl kurzfristig funktionieren kann, weil wie du von dir auch formuliert,
00:11:36: richtigerweise formuliert, auch die Chinesen daran Interesse haben, also wir haben ein
00:11:41: Riesenhandelsvolumen von ca. 800 Milliarden Euro pro Jahr, also Europa und China, im Vergleich
00:11:51: ist das Handelsvolumen zwischen China und Russland nur ungefähr 240 Milliarden Euro,
00:11:57: also im letzten Jahr und es ist sehr asymmetrisch, richtig, nur, mein Problem mit diesem Ansatz
00:12:04: ist es, die längerfristige, also die Nachhaltigkeit des Ansatzes, nämlich, dass man, wenn man
00:12:12: jetzt annimmt, wir machen das unbedingt und sehr viel ist das aber in Wirklichkeit auch
00:12:17: aus dem Gipfeltreffen nicht rausgekommen, aber nehmen wir an, wir halten uns daran,
00:12:23: in Wirklichkeit unterstützt man längerfristig durch China auch Russland, also wir stellen
00:12:30: uns dann selber im Wege, weil durch die Unterstützung, also durch die Vertiefung der Partnerschaft
00:12:36: mit China, unterstützen wir indirekt auch die Entwicklung, die wirtschaftliche, anderes
00:12:42: politische Entwicklung von Russland, denn China nochmals wird Russland unter kleinen Umständen
00:12:49: fallen lassen, also die aktuelle geopolitische und geöconomische Lage ist so, also wird
00:12:55: zumindest jetzt bis Trump noch an der Macht ist und ich würde behaupten und ich würde
00:13:00: jetzt auch noch behaupten, es gibt mittlerweile ein Thema, wo die Demokraten und die Republikaner
00:13:07: sich ziemlich einig sind und das ist das Thema China als strategische Herausforderung, auch
00:13:13: Biden hat sehr viel fortgesetzt von dem, was Trump, was die erste Verwaltung von Trump
00:13:19: eingeführt hat.
00:13:20: Und somit meine ich, also dass wir letztendlich zwischen diesen zwei geopolitischen Stühlen
00:13:25: sitzen, einmal haben wir jetzt, bei 2025, eine exorbitante Abhängigkeit von den USA,
00:13:33: eine noch viel stärkere strategische Abhängigkeit von den USA, im Bereich der Energie, im Bereich
00:13:40: der Technologie, im Bereich des Marktzuganges, im Bereich der Sicherheit und Verteidigung
00:13:45: und auch im Bereich der Unterstützung für die Ukraine.
00:13:48: Da sind die Amerikaner nach wie vor ein unverzichtbarer Partner, auch wenn wir jetzt mal die Führungsposition
00:13:56: übernommen haben.
00:13:57: Und dasselbe trifft jetzt auf China zu, das heißt, wenn wir da jetzt mal die Partnerschaft
00:14:01: vertiefen würden, verschaffen wir was genau, noch mehr Abhängigkeiten.
00:14:07: Da haben wir zum Beispiel Abhängigkeiten wie beispielsweise im Bereich der seltenen
00:14:12: Erde.
00:14:13: Also bei seltenen Erden ist es so, dass 98 Prozent aus China kommt.
00:14:18: Ja, jetzt stellen wir uns mal kurz vor, was ist, wenn diese systemische Realität sich
00:14:23: noch weiterhin vertieft, was ist, wenn wir plötzlich in einer bifurkierten Welt funktionieren,
00:14:29: aber gleichzeitig Abhängigkeiten, also noch größere Abhängigkeiten mit beiden systemischen
00:14:34: Rivalen haben und mitten des größten Krieges auf dem alten Kontinent, seit den letzten
00:14:40: 80 Jahren.
00:14:41: Das erscheint mir als keine kluge und nachhaltige Strategie in einem längerfristigen Zeitrahmen.
00:14:49: Und gehen wir auch mal in unsere Region von Ost-Mitler-Europa, Osteuropa, Süd-Osteuropa.
00:14:54: Interessant ist ja auch, dass das genau die Region ist, wo China sehr deutlich aktiv ist,
00:14:59: weil man bedenkt, dass China Ungarn als Logistik Hub für wichtige Firmen, ich sage es nur
00:15:04: Timo, aber es gibt viele andere Beispiele, außer Kornhardt und in vielen anderen Bereichen
00:15:08: hat man Infrastrukturprojekte investiert und so weiter, inwieweit siehst du dieses Engagement
00:15:12: auch, China ist in Osteuropa, Süd-Osteuropa als eine, wenn man so will, strategische Sache
00:15:18: an.
00:15:19: Also etwas, womit man auch politisch vielleicht dann etwas erreichen will, bei Ungarn zeigt
00:15:24: sich das ja immer wieder, auch teilweise jetzt mittlerweile Slowakei, in dem Fall von Russland
00:15:28: auch.
00:15:29: Oder ist es so einfach, war das Opportunität, dass man halt dort den Marktzugang am leichtesten
00:15:33: verandern und leichtesten den Mittel bekommen hat, um hier zu investieren und auch natürlich
00:15:37: da, wie soll ich sagen, die Nachfrage nach Investitionen vielleicht am höchsten war?
00:15:41: Wie schätzt du das sein?
00:15:42: Es war nie eine Opportunität, bei solchen Themen muss man bedenken, dass China sich genau
00:15:47: angeschaut hat, was vorher die Sowjetunion gemacht hat und vor allem wie erst mal die
00:15:53: Weltunion und dann in weiterer Folge auch Russland mit speziell mit bestimmten Regionen in Europa
00:16:00: getan hat.
00:16:01: Also wir wissen alle, dass der ehemalige Sowjet-Traum, also das sind vor allem Länder aus dem ehemaligen
00:16:08: sowjetischen Block, in Zentral- und Osteuropa plus Westbalkan, dass das die Länder sind,
00:16:15: die praktisch nach wie vor, ich sage es jetzt mal, das ist nicht meine Definition, das ist
00:16:21: eher die Perzeption von außen, also wenn es um Russland geht und auch im China, dass das
00:16:27: nach wie vor die Länder sind, wo dieses Zusammenspiel von schwachen Institutionen, stockenden Reformen,
00:16:37: hohem Korruptionsniveau, marginalisierten Bürgerinnen und so weiter und so fort, das ist sehr lang,
00:16:47: dass das natürlich eine ideale Lage für einen Markt eintritt oder auch für einen langsam
00:17:00: aber zu sukzessive Einflussnahme verschafft und so ist das passiert, also die Tatsache,
00:17:06: dass gewisse Initiativen, also seitens Kinders, beispielsweise ursprünglich 14+1, also das
00:17:13: waren genau die Länder, wo es um einen politischen Dialog gegen kritische Infrastruktur ist,
00:17:19: keine Opportunität, also das ist im chinesischen Mindset ein absolutes Muss, also alles in allem
00:17:26: sieht man einen kontinuierlichen Ausbau der politischen, der wirtschaftlichen, der handelspolitischen
00:17:34: Beziehungen und somit verschafft man sich nicht nur Präsenz vor Ort, sondern man verschafft
00:17:39: sich dadurch auch politische Einflussnahme. Stichwort zum Beispiel EU, also wenn wir zum
00:17:45: Beispiel bei bestimmten Themen die Abstimmung der 27 EU-Länder brauchen, so ist das auch
00:17:53: und dann, dass man auch solche Themen berücksichtigt, also habe ich jetzt einen sehr großen Partner
00:18:00: wie China, das war auch damals, wenn man bedenkt beim Thema Sanktionen mit Russland, habe ich
00:18:05: jetzt eine gewisse Abhängigkeit, also vielleicht beeinflusst das auch meinen Abstimmungsverhalten,
00:18:11: wenn wir dann mit den anderen EU-Mitgliedstaaten versuchen, eine gemeinsame Politik zu gestalten.
00:18:16: Und nochmal ganz konkret, was du gerade angesprochen hast, das heißt aus deiner Sicht war der
00:18:21: Ausbau der Eisenbahnverbindung zwischen Budapest und Belgrad durch ein chinesisches Konsortium
00:18:26: ein Fehler, waren wir dann naiv, wurden da Fehler gemacht, was hat Europa hier übersehen?
00:18:31: Also man muss auch sagen, nicht nur war es ein Fehler im Nachhinein, sondern und nicht
00:18:37: nur naivität, sondern aus meiner Sicht war es eine grobe Fahrlässigkeit. Eine grobe
00:18:42: Fahrlässigkeit, die sich jetzt natürlich auch in gewisser Weise recht, im Fall von
00:18:46: Piraeus, weiß man ganz genau, dass es keinen anderen Kandidaten gab.
00:18:52: Also das heißt, die Chinesen wollten sowieso, aber es gab auch keine Alternative.
00:18:56: Und dann muss man schon ein bisschen hinterfragen, warum wir eigentlich überhaupt nicht diese
00:19:01: Themen als strategische Themen betrachten, daran liegt es.
00:19:07: Und jetzt muss man einfach umstellen, und das ist das, was ich meinte, dass das aus meiner
00:19:13: Sicht nicht mal angekommen ist, weil ab dem Moment, wo das ganze Thema eines Kaltenkrieges
00:19:19: 2.0 zwischen den USA und einerseits und China und Russland, andererseits tatsächlich als Thema
00:19:27: ankommt und debattiert wird, so muss man auch entsprechend agieren.
00:19:32: Und da muss man eben solche Themen ganz anders, also nämlich strategisch als strategische
00:19:38: oder kritische Infrastruktur.
00:19:40: Jetzt gibt es natürlich teilweise schon die Diskussionen, aber wir sehen auch im Nachhinein,
00:19:46: dass das nicht unbedingt, also nicht in diesem Ausmaß.
00:19:49: Das heißt jetzt nicht, damit ich auch nicht missverstanden werde, dass Länder z.B.
00:19:53: wie China als Infrastoren nicht zugelassen werden dürfen, aber bis zu einem gewissen
00:19:58: Grad oder in einem gewissen Ausmaß, nicht in einem Ausmaß, wo sich das in Richtung eines
00:20:04: politischen Risikos z.B. entwickeln könnte, Stichwort auch 5G-Netze, Stichwort also z.B.
00:20:11: Indien ist ein Riesenthema mit den chinesischen Apps und so weiter.
00:20:15: An dieser Stelle erhalten wir kurz inne und Summen von der großen Geopolitik in eine bestimmte
00:20:21: Region hinein, die uns besonders am Herzen liegt.
00:20:24: Wir blicken auf den Donauraum.
00:20:25: Diesen ist nämlich die nächste Ausgabe von Europien Voices gewidmet, die im September
00:20:30: erscheint.
00:20:31: Da folgen wir der Donau von der Quelle im Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer und einer
00:20:36: unserer Autoren berichtet in dieser Ausgabe sogar von seinem Spaziergang von Wien nach
00:20:40: Istanbul.
00:20:41: Sehr ambitionierter Spaziergänger.
00:20:43: Absolut.
00:20:44: Außerdem haben wir Beiträge aus Deutschland, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien.
00:20:49: Wir schauen uns die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Donauraum an, beleuchten die historisch
00:20:55: und aktuelle Rolle der Donaukommission und vieles mehr.
00:20:58: Nun aber wieder zurück zu unserem Gespräch.
00:21:01: Ich möchte nochmal zurückgehen auf die Ukraine, weil das doch uns als Europäer besonders betrifft
00:21:09: und da kann man das auch mal rekapitulieren, ok, das Gipfeltreffen in Alaska, was immer
00:21:15: Trump da wirklich erreichen wollte, wir wissen es nicht, aber man kann es nicht sagen, zumindest
00:21:20: das jetzige Sicht, vielleicht kennen wir zu wenig Details, vielleicht gibt es geheime
00:21:23: Absprachen, die sich erst zum Weiterfolge entfalten, aber als jetzige Sicht wird man sagen ein
00:21:28: Misserfolg.
00:21:29: Du hast vorhin erwähnt, dieses Treffen der Europäer mit den Chinesen, wo man versucht
00:21:33: vielleicht auch hat, auch viele Dinge, die wir vielleicht heute nicht wissen, die besprochen
00:21:37: wurden, und da sieht es auch so aus, und du hast es auch erwähnt, als wäre das auch
00:21:41: kein Erfolg gewesen, wenn man die Chinesen stärker dazu bekommen hätte, dass sie auf
00:21:45: Russland einwirken, hier in Richtung einer Friedenslösung zu gehen, das heißt, was ist
00:21:51: eigentlich hier passiert?
00:21:52: Die Amerikaner haben keine Erfolg gehabt bei Putin, zumindest bis jetzt sieht es so aus,
00:21:57: dass Trump bei Putin keine Erfolg hatte, die Europäer hatten keine Erfolg in Kinder,
00:22:01: das heißt, müssen wir davon ausgehen, dass das einfach weiterläuft dieser Krieg?
00:22:04: Ja, der Krieg, leider Gottes wird weiter laufen, und zwar jetzt durch diese, sagen wir mal,
00:22:13: diplomatische Verzögerung, und damit muss ich nur eine Metapher, und ich kläre auch,
00:22:18: was ich damit meine, wird der Krieg in einen Zeitrahmen rübergehen, über 20.30, 20.32
00:22:26: und so weiter, ja, das ist das erste, also ich habe keine guten Nachrichten, diesbezüglich
00:22:31: dieser Krieg wird noch lange dauern, heißt es aber jetzt, dass Trump nicht eine diplomatische
00:22:39: oder politische Pause einsetzen kann, nicht unbedingt nochmals, also was in Alaska stattgefunden
00:22:46: hat, und es als eine Optik von vielen Analysten bezeichnet wurde, und wir wissen in Wirklichkeit
00:22:57: nicht, was in den drei Stunden besprochen wurde, also wir haben nicht die gesamte Information,
00:23:02: war für mich persönlich jetzt mal einmal eine Funktion aus diesem neuen geopolitischen
00:23:09: Format, wie gesagt, also wenn es ein kalter Krieg ist, und wir wissen es auch nicht, also
00:23:14: ich habe jetzt meine Arbeitshypothese kurz dargestellt, es gibt auch andere Arbeitshypothesen,
00:23:19: was die globale Ordnung betrifft, aber wenn wir bei meiner bleiben würden, dann heißt
00:23:24: es, dass der russische Krieg in jukraine auch der erste offizielle stellvertretter Krieg
00:23:29: war zwischen den USA und China, die USA haben sich eindeutig für die jukraine entschieden,
00:23:36: und die Chinesen haben eigentlich Russland unterstützt, und nach wie vor, jetzt haben
00:23:41: wir auch eine erste Ableitung, dass Russland unbedingt China als Sicherheitsgarant dabei
00:23:48: haben will, also das ist schon mal ein Indiz dafür, gleichzeitig haben wir aber auch leider
00:23:53: Gottes jetzt ein anderes, also relativ negatives Indiz, nämlich dass sich die Amerikaner zurückziehen
00:24:00: wollen, dass sie nicht mehr bei diesem Krieg mitmachen wollen.
00:24:03: Sie wollen sagen Europa, das ist euer Problem.
00:24:05: Richtig, und das ist für mich die große Ableitung aus diesem Format, Alaska Format, weil einerseits
00:24:12: hieß es zwar um die Ukraine, wo jetzt drei russische Rote Linien von den Amerikanern
00:24:19: akzeptiert wurden, einmal keine NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine, einmal das Krim als russisch
00:24:25: anerkannt werden sollte, ja, also das waren schon zwei wichtige Aspekte auch aus ukrainischer
00:24:31: Sicht, wo jetzt die Amerikaner praktisch also nachlassen, und dritter, wichtigste aus meiner
00:24:38: Sicht Aspekt in so einem, bleiben wir beim stellvertretter Krieg, das ist eben der Punkt,
00:24:45: dass keine US-Soldaten auf ukrainischem Boden stationiert werden.
00:24:50: Das sind die Aspekte, die uns eigentlich am meisten, am meisten beständigerweise beunruhigen,
00:24:58: aber wir verstehen nicht, dass das Parallelprozesse sind, wo auch die Amerikaner und die Russen
00:25:02: sich was ausmachen, was mit uns jetzt zwar direkt nicht zu tun hat, wo wir aber natürlich
00:25:08: im Nachhinein davon also darunter leiden werden, also was sie entscheiden.
00:25:14: Wenn man das bei diesen Gedankenschlangen von dir weitergeht, dann kriegt man es ja noch
00:25:18: viel mehr mit der Angst zu tun als das, was du bisher skizzierst, weil das heißt ja,
00:25:21: du sprichst vom Drachenbären, was ist, wenn für die Europäer sich das so darstellt,
00:25:25: okay, wir haben den Drachenbären hier, nämlich östlich von Europa, und westlich vielleicht
00:25:30: haben wir irgendwann, ich sag mal, auch einen Adler, der bisher unser Protektor irgendwo
00:25:34: war, der das vielleicht nicht mehr so einem Gegenteil vielleicht uns sogar als Spielstein
00:25:39: auf seinem Schachbrett einsetzen könnte.
00:25:42: So wird es aus meiner Sicht auch ablaufen, aber nicht im Ausmaß, wie es oft jetzt geschildert
00:25:49: wird.
00:25:50: Sprich, einen kompletten Rückzug aus Europa, denn in Wirklichkeit gibt es nach wie vor
00:25:55: sehr starker Interessen der Amerikaner auch, also das heißt, einerseits, wie sehe ich es,
00:26:01: also die Verantwortung für die Zukunft der Ukraine, für die Souveränität der Ukraine
00:26:07: wird bei den Europäern liegen, ob es uns gefällt oder nicht, man muss sich an die Arbeit machen.
00:26:14: In Wirklichkeit habe ich schon vor dreieinhalb Jahren ganz eindeutig unklag gemacht im öffentlichen
00:26:19: Raum.
00:26:20: Es ist vor allem unsere Aufgabe insofern, dass wir einerseits die Ukraine so stark und
00:26:26: umfassend unterstützen, weil die Ukraine den Krieg eigentlich taktäglich führt und auch
00:26:32: Opfer dieses Krieges ist, aber auch weil in weiterer Folge wir alle hier in Europa auch
00:26:38: in einem nicht konventionellen, nicht militärischen Krieg sind.
00:26:41: Das heißt, auch am 24.
00:26:44: Februar 2020 wurde dieser nicht konventionelle, also nicht militärische Krieg gegen uns gestartet
00:26:51: seitens Russlands.
00:26:52: Also Russland ist tatsächlich auch in, gegangen an diesem Tag nicht nur gegen die Ukraine,
00:26:57: sondern auch gegen Europa.
00:26:58: Und jetzt ist das folgendes passiert, es wird äußerst unangenehm sein, denn man hat
00:27:04: in den dreieinhalb Jahren einfach nicht erklären können unseren Gesellschaften, dass wir tatsächlich
00:27:11: unter anderem jetzt nicht unbedingt gegen Russland kämpfen müssen, aber wenn wir die Souveränität
00:27:17: der Ukraine tatsächlich unterstützen müssen und wollen, wie behauptet, dann braucht man
00:27:25: europäische Truppen auf ukrainischem Boden, man hat sich noch nicht geeinigt, aber man
00:27:29: wird sich auf gewisse Linien einigen, also Kontrolllinien einigen, das haben wir in anderen
00:27:34: Konflikten genauso gehabt, auch hier wird es so ablaufen, da muss man auch unter anderem
00:27:39: europäische Truppen stationieren und in weiterer Folge dieser gesamte zentral- und austeuropäische
00:27:43: Raum, auch mit den neuen nordischen NATO-Mitgliedern, das ist die sogenannte Ostflanke der NATO,
00:27:50: das sind die Frontstaaten, das wird der neue eiserne Vorhang sein, da muss man sehr schnell
00:27:55: und umfassend militärisch und auch in DUO-Us, also das heißt auch aus der Perspektive der
00:28:02: Zivilschutzinfrastruktur muss man sehr schnell aufholen, das sind die Aufgaben, wie will
00:28:08: man das eigentlich der Bevölkerung kommunizieren, habe ich keine Antwort darauf und ich glaube
00:28:14: auch nicht, dass das gut ankommeln wird, ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaften
00:28:19: tatsächlich verstehen, wo wir uns an welchem Wendepunkt wir uns überhaupt befinden und
00:28:25: nochmals, die Tatsache, dass man eigentlich hier keinen Krieg, also ich teile nicht die
00:28:30: Meinung von vielen Militär-Experten, die jetzt behaupten, als nächstes würde Russland
00:28:35: ein NATO-Mitglied militärisch angreifen, sondern ich würde behaupten, dass das Ziel nach wie
00:28:40: vor die Ukraine bleibt, allumfassend in weiterer Folge Länder aus der sogenannten östlichen
00:28:47: Partnerschaft, wie Moldavien, wie Georgien und in weiterer Folge einfach diese gesamte
00:28:52: Raum, gesellschaftliche Raum, wo man diese jübrige Kriegsführung, also Kriegsführung
00:28:58: tagtäglich betreiben kann.
00:29:00: Gut, wir kommen jetzt schon langsam zum Abschluss des Gesprächs und ich will ja, und in diesem
00:29:05: schönen Sommer, letzten, wo es langsam in den Frühjahrabst geht, unsere Zuhörerinnen
00:29:09: und Zuhörer nicht völlig deprimieren und jetzt noch siehst, frage ich dich ganz bewusst,
00:29:14: siehst, gibt es irgendwo einen Silberstreifen am Horizont, dass vielleicht irgendwann ein
00:29:17: Grand Bar gehen gibt, dass man in irgendeiner Form wieder vielleicht auf multilaterale
00:29:21: Foren zurückkehrt und sagt, gut, wir sehen, wir haben uns eigentlich ziemlich, wir tänzeln
00:29:26: hier am Abgrund mit Krieg in Ukraine, vielleicht auch mit weiteren Konfliktfeldern, so wie
00:29:31: du es skizziert hast, was uns hier droht, gibt es irgendeine Chance, dass irgendjemand
00:29:36: versuchen wird, hierfür wieder Entspannung zu sorgen, vielleicht für eine gewisse Neuordnung
00:29:41: der Machtverhältnisse zu sorgen, ist es irgendwie realistisch, können wir zumindest davon träumen,
00:29:46: wenn ich formuliere es schon sehr, sehr vorsichtig, weil ich weiß, du bist Realistin und keine
00:29:51: Träume erinnert, aber ja, kannst du uns irgendeinen Hoffnungsschimmer geben und irgendeinen Szenario
00:29:55: entwickeln, wo wir nicht heute ins Bett gehen und Albträume bekommen?
00:30:02: Erster Punkt, den ich immer, der mir sehr wichtig ist, den ich immer sozusagen auch erwähnen
00:30:09: möchte, damit es nicht zu pessimistisch wert ist, der Punkt, dass es bereits in der Geschichte
00:30:16: bewiesen wurde, dass, nämlich während der Zeit des ersten Kalten Krieges, dass demokratische
00:30:22: Gesellschaften durchaus sich dafür wappnen können und durchaus in der Lage sind und
00:30:29: fähig sind, autoritäre Regimes zu bekämpfen und auch im Rahmen einer hybriden Kriegsführung
00:30:39: sehr wohl als Sieger daraus zu kommen und das finde ich nach wie vor absolut gegeben,
00:30:47: dafür braucht man aber einfach einen anderen Mindset, also wir brauchen bei der politischen
00:30:52: Führung in unseren europäischen Staaten, bei den Institutionen, also Stichwort Bürokratie
00:30:59: und auch bei unserer Industrie, Unternehmenschaften und Bürgertum einfach den Mindset dafür.
00:31:05: Wir müssen die Rosebrille schlussendlich wegtun und einfach die Realität sehen, wie sie ist
00:31:13: und was die anderen damit vorhaben.
00:31:15: Das ist der erste Punkt, also es ist absolut machbar und möglich, außerdem ist es auch
00:31:20: schon historisch gesehen bewiesen worden, dass autoritäre Führung, also autoritärer
00:31:27: Führungsstil und autoritäre Regimes nicht sehr lange durchhalten, auch das und meistens
00:31:34: scheitert es an den internen, also an den gesellschaftlichen Prozessen, weil sie einfach irgendwann mal nicht
00:31:42: mehr liefern, auch das wird es aus meiner Sicht wieder geben.
00:31:49: Dritter Punkt, es wird Entspannungspolitik geben, nach einer Phase, wir befinden uns jetzt
00:31:55: in der konflikteren Phase nochmals, also wo man zwar die Waffen gegeneinander nicht anwenden
00:32:04: will, Gott sei Dank, aber natürlich wo es sehr viele stellvertreter Kriege und militärische
00:32:10: Auseinandersetzungen gibt, wo man sich indirekt bekämpft, also wo die Chinesen, aber auch
00:32:14: die Russen und die Amerikaner mitmischen, das ist natürlich die schlechte Nachricht.
00:32:19: Und dann kommt es aber ein Peak und nach dem Peak wird es eigentlich Entspannungspolitik
00:32:24: geben, also momentan rüsten alle auf, in unserem Fall in Europa rüsten wir nach, weil wir haben
00:32:30: lange Zeit eigentlich überhaupt nicht aufgerüstet und dann gibt es wieder mal diese Phase, wo
00:32:36: wir tatsächlich eine Entspannungspolitik haben, wo die Diplomatie, wo die multilateralen Strukturen
00:32:42: aufs Neue geschaffen werden, weil die aktuellen, also die Strukturen aus des sogenannten westisch
00:32:50: dominierten Ordnungen, die greifen nicht mehr zu. Es kommen neue Akteure, das ist die nächste
00:32:55: gute Nachricht, also es kommen viele Akteure aus dem globalen Süden, also es wird vielfältiger.
00:33:00: Vielfältiger und sie haben auch ihre eigenen Interessen, sie wollen auch nicht unbedingt
00:33:05: in einer, sagen wir mal, in einer binären Welt verfangen werden, also sie suchen auch
00:33:11: nach Möglichkeiten, also Länder wie Indien oder Indonesien oder Malaysia, Philippinen,
00:33:18: Brasilien, Argentinien, auch afrikanische Staaten, auch da sind potenzielle Partner für uns,
00:33:23: wo wir auch also jetzt nicht statisch bleiben und eingefroren in diesem statischen Zustand
00:33:30: hier in Europa, weil nichts, nichts Sinn ergibt, sondern ganz im Gegenteil, uns selber aus
00:33:37: diesem statischen ein bisschen rausschlütteln und wir müssen selber eigentlich proaktiv
00:33:42: mehr tun, mehr tun nach hinten, aber mehr tun auch mit Blick auf Partnerschaften und Beziehungen.
00:33:49: Und dann ist traditionell meine letzte Frage immer in diesem Podcast. Gibt es in einem
00:33:55: Buch oder vielleicht Bücher oder Podcast oder Sendungen, irgendetwas, was du empfehlen
00:34:00: möchtest, was uns auch vielleicht hilft, die Welt besser zu verstehen oder es kann auch
00:34:04: irgendwas sein, wo du sagst, ja, Leute entspannt euch und hört euch eine gute Musik an oder
00:34:08: ein Film, den du jetzt empfehlen magst.
00:34:13: Ich bin ein großer Fan von Filmen. Also ich schaue jetzt wieder mal ein bisschen die alten,
00:34:20: die alten Klassiker, muss ich gestehen, also im Sommer, wie "Apocalypse Now" oder "Tin Red Line",
00:34:28: also die wirklich klassischen Militärchen. Filme kann ich nur schwersten empfehlen,
00:34:33: aber die sind auch natürlich, muss ich vorwarnen, sehr depressiv.
00:34:38: Ja gut, das ist in deiner Profession, da gibt es eben auch immer wieder dieses Thema.
00:34:42: Ich habe auch, also ich schaue auch sehr gerne Serien wie "Game of Thrones" und "House of
00:34:48: the Dragon", also die muss ich auch immer wieder aufs Neue schauen, jetzt habe ich im Sommer
00:34:52: wieder einmal die ganze Serie geschaut und da findet man sehr viele, sehr viele realpolitische
00:34:59: Prinzipien und interessante Beispiele, sodass ich sogar überlege, ob ich nicht eine Seriestarte,
00:35:07: aber ob ich mit einzelnen Szenen erkläre, was eigentlich das realpolitische Prinzip ist
00:35:14: für zum Beispiel Studierende aus dem Bereich der internationalen Politik und internationalen
00:35:18: Beziehungen, das wäre so interessant. Also da würde ich inspirieren in "Game of Thrones",
00:35:22: sozusagen jetzt mal politisch erklärt, was hier in diesen verschiedenen Hauses abgeht, super.
00:35:29: Und schlussendlich habe ich auch jetzt nochmals, also ich lese auch gerne aufs Neue Bücher,
00:35:34: ich liebe aus der Kindheit und ich habe jetzt auch Dünn nochmals im Sommer also aufs Neue
00:35:41: durchgelessen, ich bin jetzt beim zweiten Buch und muss auch da feststellen natürlich jetzt
00:35:46: mit der Erfahrung, die ich momentan habe, also wie anders, wie anders ich auf diese ganze
00:35:54: Problematik der Großmachtrevalität, also dann imperialistische Ansätze, Rohstoffproblematik,
00:36:04: so das sind so viele, also ausgezeichnete Beispiele aus meinem Bereich, also anscheinend komme
00:36:10: ich überhaupt nicht mehr weg von dem, was ich professionell mache. Es gibt einen Podcast
00:36:18: von Hoover Institute, ein ausgezeichneter, weil der nicht nur strengstens Politikwissenschaftler
00:36:26: einlädt, sondern auch Historiker. Ich kann ihn wirklich sehr, sehr schwer empfehlen.
00:36:33: Da kommen Akademiker, vor allem Akademiker aus unterschiedlichen Bereichen und können
00:36:38: dann über eineinhalb, zwei Stunden manchmal über ein spezifisches Thema, ob es jetzt
00:36:43: zur Viet-Union war oder jetzt aktuell Russland, China, was erzählen und ich mag diesen Podcast
00:36:49: besonders gern.
00:36:51: Was wir von Verlina Czakarowa heute gelernt haben, ist vor allem eines. Wir müssen vielleicht
00:36:57: umdenken, weg von der kurzfristigen Nachrichtenlogik, die uns auf dem Detail gefangen hält und
00:37:03: hin zum Verständnis der großen systemischen Kräfte. Die Welt ist komplexer und vielleicht
00:37:09: auch gefährlicher geworden, aber sie ist nicht unverständlich. Verlina sagt, wir müssen
00:37:14: die Rosa Brille wegtun und die Realität sehen, wie sie ist. Und den Link zu diesem Gespräch
00:37:19: finden Sie in den Show-Notes, sowie auch alle Informationen zur neuen Ausgabe der Europien
00:37:24: Voices unter europienvoices.eu.
00:37:26: Und das war das vierte Kapitel unserer Eastside Stories. Jeden letzten Donnerstag im Monat
00:37:31: erscheint eine neue Podcastfolge.
00:37:33: Danke, dass Sie dabei waren. Hören Sie uns wieder.
00:37:36: Servus.
00:37:37: Danke.
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